Rundgang durch die Burg
Geschrieben von: Fleckenstein Thomas - Augsburg   
Freitag, 31. Oktober 2008 um 21:39

Ein gut erhaltener Weg führt uns vom Parkplatz aus zuerst längs und dann durch die Ringmauern, mit deren Freilegung 1966 begonnen wurde und von denen bereits ein Teil, namentlich auf der nordwestlichen Seite, restauriert werden konnte. Der Weg führt dann, an dem Kiosk des Lembacher Verkehrsvereins vorbei zum eigentlichen, turmüberbauten, mächtigen Eingangstor, dessen Inschrift über dem Portal leider durch Verwitterung fast unleserlich geworden ist.

 


 

Gleich nach dem Durchschreiten dieses Festungstores steht der Besucher unter dem Eindruck des steil zum Himmel strebenden Felsens und der sich anschließenden über zwei Meter dicken, von zwei Schiessöffnungen durchbrochenen Verteidigungsmauer. Hier am Fuße des Felsens setzten die über mehrere Jahre sich erstreckenden Aufräumungsarbeiten ein: Hunderte von Kubikmetern Erde und Gestein wurden schubkarrenweise von freiwilligen Helfern des Verkehrsvereins entfernt, bis der ursprüngliche, felsige Boden zu Tage trat. Dies Arbeiten ermöglichten u.a. die Freilegung einer Zisterne, zu welcher die in den Felsen gehauenen Rillen das Regenwasser abführten. Wir befinden uns im inneren Hof der Burg. Überall finden sich Spuren von einstigen Gebäulichkeiten: Wohnungen für die reisigen Knechte, Stallungen, Vorratsräume und dergleichen. Rechts auf dem kleinen Plateau befand sich, den alten Zeichnungen nach, die ehemalige Schlosskapelle, zu welcher auch die Untertanen der Umgebung Zutritt hatten.

 


Burg von hinten

Wir dürfen diese Kapelle nicht mit der eigentlichen Burgkapelle gleichsetzen, welche sich weiter oben, in den vom Hofe scharf abgegrenzten Wohnräumen der Herrschaft befand und zu welcher nur die Familie der Herren von Fleckenstein und deren Gäste Zutritt hatten. Diese Trennung zwischen Gesinde und Herrschaft, Hof und Burg, wird unterstrichen durch einen in den Felsen gehauenen Graben, über den eine Zugbrücke zu dem Felsen vorgebauten viereckigen Treppenturm führte, welcher es erlaubte über eine Wendeltreppe, deren Spuren noch sichtbar sind, in die oberen Stockwerke zu gelangen. Heute jedoch benützt der Besucher einen anderen Weg und zwar z.T. den Aufstieg, welcher vor Erbauung des Treppenturmes im 15. Jahrhundert üblich war.

 


Unterhalb des Verbindungsstegs, der zum Felsen führt, bemerkten wir einen in diesen eingehauenen Raum, welcher vermutlich als Hundezwinger gedient haben mag. Wir wissen nämlich aus einer Urkunde des Jahres 1541, dass auf der Burg, außer den üblichen Wachthunden, noch 10 Jagd-und 4 Hatzhunde gehalten wurden. Doch nun noch einen Blick in die Brunnenkammer. Dicht daneben befindet sich ein dunkler Raum, in welchem das Rad des Lastenaufzugs aufgestellt war, welcher bis in die obersten Stockwerke die Burgbewohner mit allem Nötigen versah.

Der Brunnen selbst, der heute verschüttet ist, soll bis zur Talsohle gereicht haben. Da dieses Meisterwerk der Brunnenbohrung eine für die damalige Zeit fast unmenschliche Leistung darstellte, hatte sich im Volke die Sage verbreitet, der Teufel selbst habe diesen Brunnen gebohrt. Als er jedoch bei der Auszahlung des versprochenen Lohnes vom Burgherrn überlistet worden war, habe er aus Rache Schwefeldämpfe und Feuerflammen aus dem Brunnenschacht aufsteigen lassen. Doch der Burgkaplan habe das Zeichen des Kreuzes über den Brunnen geschlagen, worauf die Flammen erloschen und die Dämpfe sich verflüchtigten. Seither habe der Brunnen stets reichlich ein ausgezeichnetes Trinkwasser gegeben.
Aktualisiert ( Montag, 14. September 2009 um 13:01 )
 

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